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Weltfrauentag: Interview mit Designerin Joa Herrenknecht

Für den Weltfrauentag haben wir uns etwas Besonderes für Euch ausgedacht und eine inspirierende Designerin aus Deutschland interviewt. Joa Herrenknecht erzählt uns mehr über die Bedeutung von Frauen in der Designerwelt und welche Herausforderungen sie täglich meistert. Sie verrät unswofür ihr kreatives Herz schlägt und gibt uns einen Einblick in ein spannendes Design-Kollektiv von elf unabhängigen Designerinnen aus Berlin. 

Joa Herrenknecht:

1. Erzähle uns von deinem Werdegang.

Ich bin Produktdesignerin und habe ein Design Studio in Berlin. Nach meinem Produktdesign Studium an der HfG Karlsruhe habe ich Grafikdesign in Sydney studiert und bin dann vor 10 Jahren zurück nach Deutschland gegangen, um dort mein eigenes Studio zu starten. Berlin schien damals der beste Ort dafür zu sein und ich liebe die Stadt noch immer. Im Studium selbst habe ich immer mal wieder Praktika gemacht, z.B. ein Jahr bei Patricia Urquiola in Mailand assistiert oder bei einem Architekten gearbeitet. Ich glaube das hat mir auch geholfen meine Idee vom eigenen Studio zu formen und zu realisieren. Heute arbeite ich für Kunden in der Möbelindustrie - beispielsweise Bolia aus Dänemark, für die ich neue Produkte entwerfe, wie z.B. ein Schlafsofa, eine Leuchte, Teppiche oder Accessoires.  

Credit: Sonja Müller, Berlin

2. Dein persönlicher Favorit unter deinen Werken? 

Das ist wie bei Kindern, ich kann mich da nicht festlegen - jedes Produkt hat seinen eigenen Charme. Klar ist, dass meine ganze Energie immer in mein aktuelles Projekt fließt - das heißt ich versuche mich jedes Mal komplett neu in ein Projekt hineinzudenken. Was ist dessen Zweck? Wie kann ich es verbessern? Was mir gefällt ist, dass ich mich nie auf nur ein Material oder Objekt festgelegt habe - so bleibe ich losgelöst und frei beim Entwerfen. Das ist sehr herausfordernd und gleichzeitig spannend. 

 

PIERO / COFFEETABLE

3. Wo blüht dein Designerherz auf? Wo sprühst du vor Kreativität?

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten ein Produkt zu gestalten. Die Auswahl an Stoffen und Materialien ist immens - und doch geht es in meiner Arbeit immer darum, die Form zu reduzieren, klar zu sein und die Funktion erkennbar zu lassen. Ich möchte den Produkten aber auch ein wenig Leben einhauchen, in dem ich ein kleines Detail hervorhebe oder die Funktion erforsche. Mir geht vor allem das Herz auf, wenn ich die Möglichkeit habe meine Ideen zu realisieren und diese im Dialog mit dem Hersteller oder dem Handwerker gut umgesetzt werden. Der Herstellungsprozess bis zur Realisation ist sehr spannend. 

 

4. Welche besondere Bedeutung spielt die „feminine Note“ in der Designerwelt für dich?

 Jahrelang war Design und Architektur eher männlich dominiert, aber ich glaube das ändert sich gerade und ich finde es wichtig, dass es mehr Frauen im Produktdesign gibt.  
Da wir Produkte für unseren Wohnraum entwickeln ist es total sinnvoll und normal, dass auch Designerinnen diese entwerfen. Für mich heißt 'feminine Note' nicht, dass das Design auf einmal soft wird sondern, dass Erfahrungen oder Überlegungen aus einer anderen Sichtweise in die Entwicklung mit einfließen. Diese Diversität ist wichtig - bei allem.  

ONDA / LED LAMP

5. Welche Herausforderungen gab es für dich, als Frau, in der Karriere zur Möbeldesignerin?

Das Studium und die ersten Jahre waren kein Ding - der Knackpunkt kam mit dem Muttersein. Wenn man zwei kleine Kinder hat und selbständig ist, wird die Arbeit für jede Frau zum Balanceakt. Gerade aber diese Jahre sind unglaublich wichtig für die Karriere - also zw. Mitte 30 und Mitte 40. Ich kenne einige, die an der Stelle aufgehört haben. Man braucht schon viel Energie und Mut für den Job, der ja davon lebt, dass man sich bewegt, auf internationale Messen geht und mit neuen Produzenten spricht - und immer wieder Neues entwirft. Es gibt nicht sehr viele bekannte Designerinnen, deshalb empfinde ich auch tiefen Respekt vor Designerinnen die auch Kinder haben. Übrigens auch ein Grund weshalb ich mein Praktikum bei einer Frau gemacht hatte. Ich wollte wissen wie man das hinbekommen kann!

 

6. Wer steckt hinter dem Projekt von „Matter of Course“ und was macht dieses Projekt so besonders? 

'Matter of Course' ist ein Design-Kollektiv, dass ich mit gegründet habe. Es besteht aus elf unabhängigen Designerinnen, die alle ihr eigenes Design Unternehmen in Berlin haben. Es sind ganz verschiedene Designerinnen dabei; manche stellen Objekte selbst her, andere lassen sie herstellen oder arbeiten mit Firmen zusammen. Aber alle sind selbständig, haben etwa 10 Jahre Berufserfahrung und mehrere Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten. Letztes Jahr, während Corona haben wir uns zusammengetan, weil wir uns besser vernetzen wollten. Auf einmal sind ja die ganzen Messen ausgefallen und man hat sich nicht mehr gesehen... Zur Gründung des Kollektivs haben wir unsere Arbeiten mit einer Fotostrecke im AD Magazin gezeigt und gleichzeitig eine Ausstellung im Friends Space in Berlin organisiert. Dieses Jahr werden wir in Mailand beim Salone im Juni ausstellen. Es geht beim Kollektiv vor allem darum zusammen Ausstellungen anzugehen, einen Austausch zu generieren und gemeinsam größere Projekte anzugehen. Dass wir nur Produkt Designerinnen sind hat sich von alleine ergeben, ist aber auch ziemlich schön - so etwas gibt es in Deutschland noch nicht. 

Credit: Anne Deppe

7. Was ist eure gemeinsame Vision, die euch vorantreibt?

Jede von uns hat eine echte Passion für Design und es geht darum von uns und unserer Arbeit zu erzählen. Aber es geht auch darum zu zeigen, dass es in Deutschland Designerinnen gibt - und diese zu stärken. Als Kollektiv tritt man automatisch gemeinschaftlich auf, das ist sehr angenehm.  

 

8. Was hat dich in deinem Leben dazu ermutigt deine Ziele zu erreichen?

Meine Eltern, sie haben beide einen unglaublichen Willen und haben uns eine Portion davon mitgegeben. Es gab und gibt in meinem Leben aber auch immer wieder persönliche Begegnungen mit bewundernswerten Menschen, wie zum Beispiel Patricia Urquiola - von denen man viel lernen kann. Zu wissen was möglich ist, treibt einen sicherlich dabei an seine eigenen Ziele zu erreichen.  

 

9. Was möchtest du anderen Frauen für ihr Leben/Ihren Berufsweg weitergeben?

You go girl! Loslegen, dran glauben, machen - und sich vernetzen. Es ist wichtig, dass man seinen Weg geht und Ausdauer und Vertrauen mitbringt.  

Credit: Anne Deppe, Berlin | @anne_deppe

@studiojoaherrenknecht                 #joaherrenknecht


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